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Reisebericht September 2008

von Hans Schäfer und Ulrich Hasche

Mo 1.9. Um 6.30 Uhr fahren wir mit dem Taxi zum Hauptbahnhof Stuttgart und mit dem ICE nach Frankfurt. Von dort fliegen wir mit Lufthansa über Karthum im Sudan nach Addis Ababa. Dort übernachten wir in einem kleinen Hotel, weil es keinen durchgehenden Flug gibt. Für Uli ist es die erste Reise nach Afrika.

Di 2.9. Wir geben unsere Koffer wieder auf, weil sie von Frankfurt aus nicht durchgecheckt werden konnten, und fliegen dann mit Ethiopian nach Lilongwe in Malawi. Leider finden wir dort unsere Koffer nicht wieder. Sie waren in Addis falsch etikettiert worden und sind jetzt in Lusaka/Zambia. Also verlassen wir den Flughafen nur mit dem Handgepäck. Auf viele Dinge, die Hans für die Kinder in seinen Koffer gepackt hatte, z.B. Malsachen, Tafelkreide, Röhrchen zum Seifenblasen machen, und unsere Wäsche zum Wechseln müssen wir verzichten. Uli vermisst besonders das Ladegerät für seine Videokamera.

Am Ausgang erwartet uns Grace, eine junge Frau aus Ghana, die uns mit unserem Auto abholt. Eigentlich wollte uns Stella Kasirye, unsere Koordinatorin in Lilongwe, begrüßen, sie hatte aber erst ein paar Tage später Zeit. Weil die seit Wochen vorgebuchte Übernachtung in einem Gästehaus der Kirche nicht klappt, quartiert uns Grace kurzfristig in einer Jugendherberge ein. Für Uli sind das zwei Lektionen (fehlende Koffer/ geplatzte Buchung): in Afrika klappt vieles nicht so wie in Europa gewohnt. Afrika ist eben „anders“.

Mi 3.9. Morgens ziehen wir mit unserem kleinen Gepäck um in ein kleines Gästehaus. Dann fährt uns Grace etwa anderthalb Stunden nach Westen nach Mchinji nahe der Grenze zu Sambia zu Sister Eugenia, die dort einige von GEAMOC unterstützte Waisenkinder betreut.

Der Tag vergeht mit Gesprächen über den Stand der Kinder, Besuch der Kinder in der Schule, Mittagessen bei Eugenia, Auszahlen des Schulgeldes für die Kinder, Besuch einer weiteren Schule. Für Uli besonders eindrucksvoll ist eine Schulklasse in einer Schilfhütte. Daneben steht ein neues Gebäude ohne Dach. Später beschließen wir, mit dem von Herrenberger Schülern gesammelten Geld das fehlende Dach, Türen und Fenster sowie den Fußboden zu finanzieren.

Do, 4.9. Wie immer wird es ab fünf Uhr innerhalb von etwa 15 Minuten hell. Wir sind um sieben Uhr bei Grace, die uns etwa anderthalb Stunden nach Osten nach Matenje fährt, einem Dorf mit vielen Strohhütten, ohne Elektrizitätsanschluss, das von der geteerten Hauptstraße über eine etwa 2 km lange dirtroad (Dreckstraße) zu erreichen ist. Fließendes Wasser gibt es auch nicht. Der tiefe Brunnen mit sauberem Wasser, der mit EU Geldern gebaut wurde, ist von irgendwelchen Bewohnern des Dorfes sinnlos und gründlich zerstört worden. Jetzt müssen sie wieder weniger sauberes Wasser von einem Fluss in Eimern zum Dorf tragen.

Wir besichtigen die von GEAMOC vor Jahren gebaute Schule, die Klohäuser (immer noch) ohne Türen, sprechen mit dem Schulleiter und den Betreuern der Geamoc-Kinder über deren Stand und Bedürfnisse. Wir fotografieren die Kinder und ihre Betreuerinnen, dann besichtigen wir unsere Maismühle. Der Diesel-Motor ist nach wiederholten teuren Reparaturen durch „Busch-Mechaniker“ völlig zerstört. Der Betrieb soll erst wieder aufgenommen werden, wenn das Dorf an das Stromnetz angeschlossen ist. GEAMOC wird dann einen Elektromotor zur Verfügung stellen.

Zufällig treffen wir Kristy und Brian Rolig, ein junges Ehepaar aus Minneapolis, die als Peace Corps Volunteers für zwei Jahre dort mit den Dorfbewohnern leben, um ihnen zu helfen. Er arbeitet als Lehrer an der Schule, sie betreut die Bücherei und leitet verschiedene Frauengruppen zu Themen wie Stricken, Kochen, Gesundheitsvorsorge. Sie haben kein Auto, nur ein Handy mit sehr schlechtem Empfang und leben praktisch unter den gleichen einfachen Bedingungen wie die Einheimischen. Es gelingt Hans, sie als Koordinatoren für GEAMOC zu gewinnen.

Fr 5.9. Inzwischen hat uns Grace ins Pfarrhaus umquartiert, wo wir auch kochen können. Der Pfarrer und Familie sind gerade in den USA. Wir kaufen für die Küche ein, vor allem Gemüse. Auch Landkarten und Postkarten und neue Kwatscha werden besorgt. Nachmittags besuchen wir unsere Koordinatorin Selina, die allerdings nicht viel Neues von ihren betreuten Kindern zu berichten hat.

Sa 6.9. Früh um 7 Uhr brechen wir auf zur Fahrt nach Süden Richtung Blantyre. Nach dreieinhalb Stunden treffen wir unseren Koordinator Ziccan in Lirangwe an unserer Elektro-Maismühle. Dabei sind auch die Frauen, die die Mühle betreiben. Wir besichtigen den Kindergarten und die Schulgebäude und stellen teilweise Mängel an der Verarbeitung der neuen Schulbänke fest. Auch die Türen müssen nachgebessert werden. Die Frauen zeigen uns eine Schweinezucht, die sie in Eigeninitiative gestartet haben.

Auf dem Rückweg besichtigen wir noch die einzige Keramikfabrik Malawis in Dedza. Wir halten noch kurz an einem dörflichen Markt. Dort wird unser Auto sofort von allen Seiten von Anbietern umzingelt. Zwiebeln, Tomaten, Kartoffeln und allerlei sonstiges Gemüse werden an alle Fenster und hinein gereicht. Unsere afrikanische Fahrerin ist dieses Gewusel gewohnt. Nach kurzer Verständigung auf Chichewa haben wir, was wir für unseren Eintopf brauchen, und sind knapp vor der kurzen Dämmerung kurz vor 18 Uhr nach etwa 600 km wieder zurück in Lilongwe.

So 7.9. Das Wetter ist seit unserer Ankunft ständig heiß (etwa 30°C) mit noch geringer Luftfeuchtigkeit. „Das letzte Mal geregnet hat es vor 9 Monaten, also letztes Jahr“, sagt Grace. Es wurde bis zu unserer Abreise ständig heißer (bis 37°C) und auch schwüler.

Wir besuchen einen Gottesdienst der Baptist Church. Danach warten wir im Garten auf Stella, die aber nicht kommt. Verschiedene Telefonate bei Ethiopian Airways wegen unserer fehlenden Koffer bringen kein Ergebnis.

Mo 8.9. Morgens haben wir eine lange Diskussion mit Stella über die Effizienz der Arbeit von GEAMOC und ihre eigene Rolle dabei, speziell bei den wenigen Kindern in Matenje. Das Ergebnis: Es bleibt bei dem Beschluss von GEAMOC, sich räumlich zu konzentrieren, d.h. die Anzahl der in Matenje betreuten Kinder nicht zu erhöhen. Stella beendet deshalb zum Jahresende 2008 ihre Mitarbeit. Die Betreuung der Kinder wird von Brian und Kristy Rolig weitergeführt.

Am Nachmittag lernen wir Alice Ngoma kennen, eine 24jährige Malawi, die zur Zeit eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin macht. Sie hat einen fünfjährigen Sohn und ist alleinerziehend. Sie hat schon für unser Mitglied Georg Modlmair in seinem Projekt in Misanjo gearbeitet und wurde uns von ihm empfohlen.

Di 9.9. Wir verlassen früh am Morgen das Pfarrhaus, unser „Basislager“ in Lilongwe, um die nächsten 14 Tage in der Gegend um Blantyre zu arbeiten. Auf der Fahrt begleiten uns Alice und Pastor Philipp von FROMO (friends of Malawian Orphans), die sich unser Projekt in Lirangwe ansehen und uns ein FROMO-Projekt in Misanjo (in der Nähe von Muloza) vorstellen wollen. Wir treffen Ziccan in Lirangwe, zeigen Philipp die Mühle, die Bäckerei, den Kindergarten und die Schule und fahren weiter nach Blantyre. Hier besuchen wir kurz den Sohn von Ziccan im Krankenhaus.

Nachmittags besuchen wir Ken Steel Engineering, einen Betrieb in Mulanje, der energiesparende Herde herstellt. Danach besichtigen wir ein Projekt der FROMO von Georg Modlmair in Misanjo. Wir übernachten in einem kleinen Hotel bei Muloza.

Mi 10.9. Wir fahren nach Muloza, um unser dortiges Mühlenprojekt zu besuchen. In der Halle nebenan ist gerade eine politische Veranstaltung und die Vorbereitung des anschließenden Festessens.

Die Mühle, von GEAMOC mit Unterstützung der Deutschen Botschaft gebaut, läuft technisch ohne Probleme. Auch die Gruppe, die die Mühle betreibt, arbeitet gut. Sie unterstützt aus den Einnahmen die GEAMOC-Waisenkinder.

Zurück in Blantyre wechseln wir Euro zum Kurs von 235 in Malawische Kwatscha und zahlen sie anschließend auf das GEAMOC-Konto ein, das von Effie Kadzeya verwaltet wird. Nach einiger Verwirrung um die richtige Kontonummer kann die Aktion nach etwa zwei Stunden(!) abgeschlossen werden.

Die Zeit reicht noch zu einem Besuch der Firma Pamet, die Papier aus Altpapier und Elefanten“dung“ (wegen der darin enthaltenen Pflanzenfasern) herstellt. Danach wird es mit kleinen künstlerischen Applikationen versehen und relativ teuer verkauft.

Nachdem die Gästewohnung bei Pfarrer Opitz noch nicht frei ist, ziehen wir in die Namiwawa Lodge. Wir müssen auf unser schlechtes Abendessen (das Fleisch war „bulletproof“) zwei Stunden warten. Am nächsten Tag wählen wir ein anderes Quartier.

Do 11.9. In Lirangwe übernimmt Alice als angehende Ernährungsberaterin die Regie. Unter dem Baum vor dem Kindergarten sind die Frauen des Dorfes versammelt, um unter ihrer Anleitung mit unserem Rocketstove einen vitaminreichen Eintopf zu kochen. Zuvor wurde aus einer Mischung von Soja und Maisbrei mit Bananen für die Kinder des Kindergartens eine proteinreiche Kindernahrung gekocht, die leicht im Dorf herzustellen ist. Alice erklärt den Frauen in der Landessprache Chichewa, warum dieser Brei für die gesunde Entwicklung der Kinder notwendig ist.

Das Kochen wird zu einem sozialen Ereignis für das ganze Dorf. Die Männer sitzen zwar untätig herum, sind aber auch neugierig, und zum Schluss essen alle gerne mit. Die Halbstarken lassen sich demonstrativ von ihrer Freundin füttern und füttern dann für Ulis Kamera auch ihre Freundin.

Den Abend beschließen wir mit einem guten Abendessen im Hotel eines Franzosen. Dort treffen wir auch andere weiße Helfer, dabei auch Erwin van der Meer, einen Pfarrer aus Holland, der schon über 10 Jahre in Blantyre arbeitet. Er arbeitet für verschiedene soziale Projekte, z.B. eine Berufsschule der Evangelischen Kirche. Er stellt uns Tracy vor, eine Amerikanerin aus Idaho, die ein Kinderdorf in der Nähe aufbaut.

12.9. Wir besuchen die GEAMOC-Kinder in Chiradzulu, etwa eine Autostunde nord-östlich. Diese Kinder hatten sich von GEAMOC im letzten Jahr jeweils eine Ziege gewünscht und auch bekommen. Wir wollen sehen, wie es ihnen geht. Weil einige nicht gekommen sind, müssen wir aber einen neuen Termin vereinbaren.

Wir kommen an dem unvollendeten Klinikgebäude vorbei, das GEAMOC vor fünf Jahren begonnen hatte, das aber wegen ständig nachgeschobener Geldforderungen und fehlendem Personal nicht fertig gestellt werden konnte.

Am späten Nachmittag sind wir beim Schreiner, der uns Rahmen für die Trocknung von Früchten anfertigen soll.

Zum Abendessen treffen wir uns mit Heidi und Bruno Kloser, zwei Österreicher, die auch schon etwa 20 Jahre in Malawi leben und arbeiten. Sie haben ein Lufttaxi-Unternehmen mit Kleinflugzeugen und betreiben auch das österreichische Konsulat.

13.9. Tracy lädt uns ein, ihr Kinderdorf-Projekt in der Nähe zu besichtigen. Über eine unbefestigte Straße bei Chileka, die mit unserem normalen PKW nur mühsam zu befahren ist, folgen wir ihrem hochbeinigen Geländefahrzeug. An einer Stelle müssen alle außer dem Fahrer aussteigen, weil die Steigung zu steil ist.

Sie zeigt uns ein Stück Land, etwa 4 Fussballfelder groß, das von einer Mauer umschlossen ist. Einige Gebäude sind im Rohbau fertig. Ihre Idee ist es, nach dem Vorbild von SOS-Kinderdörfern eine Möglichkeit zu schaffen, um Waisenkinder in einem guten Umfeld zu erziehen und aufwachsen zu lassen. Dazu hat sie das Gelände in der Nähe eines malawischen Dorfes erworben. Sie möchte mit den Bewohnern zusammen arbeiten, die Kinder aber mit „westlichen Werten“ aufwachsen lassen. Ihr ist klar, dass dies eine Lebensaufgabe ist und dass es immer eine Gratwanderung bleiben wird: wie weit lasse ich die malawische Denkweise an diese Kinder heran, welche Werte der „Weißen“ will ich bei den Kindern verankern? Um sie grundlegend beeinflussen zu können, will sie nur sehr junge Kinder aufnehmen.

Wir kaufen beim Inder ein Plastiknetz für unser Projekt zum Trocknen von Früchten. Beeindruckend ist sein umfangreiches Warenlager, das aber auch mit vielen Vorhänge-Schlössern gesichert ist. Die Mauer um sein Grundstück ist mit Stacheldrahtrollen bewehrt, und wie alle etwas besseren Häuser sind alle Türen und Fenster (sogar seine außen installierte Klimaanlage) mit starken Gittern gesichert.

So 14.9. Uli ist schon früh mit Heidi Kloser und ihrer Freundin Yvonne aus Zimbabwe zum Wandern in einem kleinen Naturschutzgebiet aufgebrochen. Hier sieht er seine bisher einzigen Paviane in freier Wildbahn – gleich eine ganze Herde von 30-40 Stück. Heidi und Yvonne kennen sich auch sehr gut mit Pflanzen aus und zeigen ihm viele interessante Exemplare.

Hans und Alice fahren an diesem Vormittag zu einer Kochdemonstration in Muloza. Dieses Mal hatten sie die Frauen vorher gebeten, selbst alles Gemüse mitzubringen. So soll deutlich werden, dass sie alles verwerten können, nicht nur Mais. So kamen Kartoffeln, Tomaten, Kohl, Zucchini, Zwiebeln, Bohnen, Paprika und Knoblauch zusammen in den Onepot, und Alice erklärt den Frauen, wie wichtig abwechslungs- und vitaminreiches Kochen für eine gesunde Entwicklung vor allem der Kinder ist.

Im Internet hatten wir in deutschen Zeitungen gelesen, in Malawi sei Hungersnot. Wir selbst sehen jedoch auf den Märkten in Dörfern und Städten ein umfangreiches Angebot von Obst und Gemüse. Mais ist allerdings jetzt in der Trockenzeit relativ teuer geworden. Da die meisten Malawier sich hauptsächlich von Mais ernähren, haben sie eine „gefühlte“ Hungersnot. Nachmittags zeigen wir Tracy und ihren Gästen unsere Maismühle und das von uns gebaute Schulgebäude in Lirangwe.

Mo 15.9. Vormittags machen wir mit Alice eine Kochdemonstration in Chiradzulu. Einige Kinder bringen ihre von GEAMOC geschenkten Ziegen mit. Ein Ziegenjunges kann nur auf den Vorderbeinen laufen, weil die beiden Hinterbeine von Geburt an stark verkürzt sind. Das Zicklein läuft also wie ein Mensch im Handstand.

Abends ziehen wir in die Gästewohnung von Pfarrer Opitz. Dort erlebt Uli seinen ersten Stromausfall in Blantyre. Das kommt dann etwa jeden zweiten Abend vor. Deswegen sind in jedem Zimmer immer Kerzen und Streichhölzer auf dem Tisch. Heidi Kloser besucht uns und bringt uns etwas zum Essen mit.

Di 16.9. Morgens besuchen wir Stephan, einen deutschen Zivildienst-Leistenden vom Bodensee, in der Berufsschule von Pfarrer Erwin van der Meer. Er zeigt uns den Computer-Raum, in dem er Informatik unterrichtet, und den Rohbau der Schulerweiterung. Es werden Schlaf-, Wasch- und Essräume gebaut für eine Ganztagesschule.

Nachmittags besuchen wir einen GEAMOC-Schüler in der staatlichen Berufsschule von Zomba. Er lernt dort bricklayer (Maurer). Die Schule macht einen guten Eindruck. Abends baut Uli den Prototyp eines Trocknungsgestells für Früchte.

Mi 17.9. Wir fahren nach Mulanje, um im Auftrag von Georg Modlmair den Vorstand der FROMO zu treffen, die Buchhaltung mit ihnen zu besprechen und das restliche Geld vorläufig einzufrieren, nachdem sie keine Belege für ihre Abbuchungen vorlegen können. Ziccan hatte uns eindringlich vor der Fahrt gewarnt. Er meint, Mulanje sei eine Hochburg der Hexerei, und wir würden da nicht unbeschadet wieder rauskommen. Wir haben aber Glück, die Hexen lassen uns in Ruhe.

Abends treffen wir uns mit Effie Kadzeya, unserer Buchhalterin, und ihrem Mann Madalitso zum Essen. Er ist Pilot bei Air Malawi, die aber pleite ist.

Do 18.9. Wir sind den ganzen Tag in Lirangwe. Für die Kinder haben wir Milch und Bananen mitgebracht. Alice zeigt den Frauen, wie einfach man damit Bananenmilch machen kann, sehr nährstoffreich und gesund.

Abends treffen wir uns mit Tracy zum Erfahrungsaustausch.

Fr. 19.9. Wir fahren nach Zomba und kaufen dort für etwa 50 Euro einen Sack mit 50 kg Vitaminen und Mineralien. Ziccan hatte seit fünf Jahren bestritten, dass man so etwas in Malawi kaufen kann. Nun brauchen wir noch Plastikbeutel, um die Kindernahrung „Likuni Phala“ durch unsere Mühle in Lirangwe selbst herstellen zu lassen. Leider suchen wir in drei Läden erfolglos.

Abends hören wir von Madalitso, dass sich unsere Koffer noch in Lusaka befinden.

Sa 20.9. Morgens kaufen wir 300 Plastikbeutel, dann fahren wir zum Zoa Tea Estate von Janet Doran. Sie ist in Afrika geboren und aufgewachsen, stammt aber von schottischen Eltern und wohnt mit ihrem Mann in einem Haus im Kolonialstil. Wir können eine Nacht in ihrem Gästehaus wohnen, werden von ihrem Koch verwöhnt und von ihr über ihre Plantage gefahren. Sie erklärt uns alle Pflanzen. Sie betreibt auch ein kleines Hospital für ihre Arbeiter und eine Schule für die Kinder.

So 21.9. Janet zeigt uns die Teeverarbeitung. Zur Zeit ist der Preis für Tee hoch, deshalb wurde auch am Sonntag in der Fabrik gearbeitet. Sie und ihre Tochter Leslie zeigen uns später selbst angebauten Kaffee, den sie für einen Qualitäts-Wettbewerb handverlesen. Auch Pfeffer in verschiedenen Formen können wir probieren. Wir kaufen drei Beutel für Werbeaktionen von GEAMOC in Deutschland.

Am Nachmittag treffen wir noch einmal zwei Mitglieder von FROMO, die uns „Belege“ für Georg Modlmair geben.

Da wir am nächsten Tag in die Produktion von Kindernahrung einsteigen wollen, drucken wir noch bis spät in der Nacht Etiketten auf unserem Notebook und Drucker.

Mo 22.9. Der Tag ist ausgefüllt mit dem Probelauf der Produktion. Weil das Schweißgerät für die Plastikbeutel nicht richtig arbeitet, muss ein anderes besorgt werden, die richtigen Gefäße für das Abmessen von Sojamehl, Maismehl, Vitaminen und Mineralien müssen ausprobiert und die Mühlenmannschaft eingewiesen werden. Am Ende haben wir 100 kg fertig gemischt, in 5kg-Beutel abgepackt und verschweißt. Zehn Beutel nehmen wir mit und können sie an Janet für ihr Hospital und an Pfarrer Opitz verkaufen.

Di 23.9. Nach elf Tagen verlassen wir Blantyre. Kurz hinter Lirangwe werden wir von einer Polizeikontrolle wegen zu schnellem Fahren angehalten. Sie behaupten, wir müssten am nächsten Tag vor Gericht erscheinen. Wir behaupten, wir müssten am nächsten Tag zurück nach Deutschland fliegen. Es ist klar, dass sie Geld wollen. Ziccan verhandelt mit ihnen auf Chichewa und sagt, dass wir nach Zahlung von 10000 Kwatscha (etwa 50 Euro) weiter fahren könnten. Wir geben ihm das Geld. Später erfahren wir, dass die Polizisten nur 5000 Kwatscha gefordert hatten….

In Mua machen wir noch Halt, um die Mission mit ihrem Museum zu besuchen. Hier hat ein französischer Missionar eine sehr schöne Anlage begründet und viele Masken, Kultur- und Gebrauchsgegenstände der Eingeborenen zusammen getragen. Die Masken der bösen Geister sehen zum Fürchten aus.

In Lilongwe können wir dann bis zum Schluss unserer Reise bei Ruth Ehret übernachten.

Mi 24.9. Hans fährt mit Alice zu Sister Eugenia nach Mchinji, um über die Kosten für das fehlende Dach des Schulgebäudes zu verhandeln.

Nachmittags haben wir einen platten Reifen. Natürlich war auch unser Ersatzrad platt. Wir müssen also mit dem Taxi mit den zwei Reifen zum „tire fixer“. Das gibt Uli Gelegenheit, eine Reifenreparatur auf afrikanisch zu erleben. Der Monteur schafft es tatsächlich, mit minimalem Werkzeug wie Hammer, Brechstange, scharfem Messer und einem rauhen Stein als Reibeisen den Reifen zu demontieren, zu flicken und wieder auf die Felge zu montieren. Zum Aufpumpen verwendet er eine größere Fahrradpumpe. Die Reparatur von zwei Reifen und Ausbeulen einer Felge (etwa 1 Stunde Arbeitszeit) kostet 1700 Kwatscha, etwa acht Euro.

Bei Ruth wohnt auch ein junges Paar aus Australien, das schon einige Monate in Karonga, im Norden Malawis, an einem großen Waisenhaus mit etwa 1000 Waisenkindern gearbeitet hatte. Es war sehr interessant, mit ihnen Erfahrungen auszutauschen.

Ursprünglich wollte Uli auch noch das unter deutscher Leitung stehende Museum in Karonga besuchen. Aus Zeitgründen muss er das aber wieder absagen.

Spät abends holen wir noch Moritz vom Bus ab. Er hatte als Praktikant auf der Kaffee-Plantage von Bernhard Schwarz in Mzuzu gearbeitet und will am nächsten Tag nach Deutschland zurückfliegen.

Do 25.9. Am Vormittag fahren wir nach Matenje, um dort auch 70 kg der in Lirangwe produzierten Kindernahrung abzuliefern. Auf dem Rückweg nehmen wir Brian und Kristy mit.

Nachmittags bringt Uli Moritz zum Airport. Dann verhandeln wir wieder mal mit Ethiopian Airlines wegen unserer fehlenden Koffer. Vor dem Airline-Büro haben wir wieder einen platten Reifen. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite finden wir einen „tire fixer“, der uns das defekte Ventil wechselt. Um bezahlen zu können, müssen wir erst noch Euro in Kwatscha wechseln. Durch Vermittlung von Grace, der wir für ihre Hilfe während der ersten Woche unser restliches Geld gezahlt hatten, können wir zu einem günstigen Kurs wechseln.

Fr 26.9. Morgens war der Reifen mit dem „neuen“ Ventil wieder platt. Da unser Reservereifen nun geflickt war, wurde er schnell montiert, damit wieder zum tire fixer. Wieder ein „neues“ Ventil eingesetzt, Reservereifen wieder gewechselt und „schon“ waren wir fertig für die vierstündige Fahrt mit Willi Ehrets Anhänger nach Blantyre.

In den Anhänger laden wir einen Zementmischer aus Deutschland, den wir für den Transport aber noch zerlegen mussten, und etwa 20 kg Kaffee, den Moritz aus Mzuzu mitgebracht hatte. Er wird über zwei deutsche Entwicklungshelfer im Süden des Landes weiter vertrieben. Den Mischer laden wir in Lirangwe aus, montieren ihn zusammen und lassen ihn probelaufen. In Blantyre kaufen wir drei Säcke Mais. Leider hat sich der Preis inzwischen erhöht.

Sa 27.9. Morgens fahren wir nach Lirangwe, verbessern die Produktion von Kindernahrung Likuni Phala durch eine homogene Mischung der Zutaten. Der Mischer tut gute Dienste, besonders bei der Zumischung der Vitamine und Mineralien. Danach wird in Plastikbeutel abgepackt und verschweißt. Wir kaufen auch ein neues Schweißgerät und reparieren das alte. Einen Teil der neuen Produktion nehmen wir nachmittags gleich mit, um sie später an GEAMOC-Kinder zu verteilen.

So 28.9. Leider ist die Klimaanlage unseres Autos seit zwei Tagen wieder ausgefallen und es wird ständig heißer. Unser Klimaanlagenspezialist, der uns vor zwei Wochen die Anlage mit Kühlmittel gefüllt hatte (2 Jahre Garantie!), war gestern trotz vereinbartem Termin nicht zur Reparatur erschienen. - Normal in Afrika. Nach weiteren Anrufen kommt er heute, arbeitet zwei Stunden und verlangt wieder 25 Euro. Für die lange Rückfahrt nach Lilongwe in der Hitze mit 38°C ist das Geld gut angelegt, denkt Uli. Hans meint, es wird wohl nur 10 km halten. So war es dann auch.

Hans verhandelt den ganzen Vormittag mit Effie und Ziccan. Fast zu spät starten wir nach Lilongwe und kommen kurz nach Anbruch der Dunkelheit an.

Mo 29.9. Am letzten Tag in Lilongwe bauen wir bei unserer Gastgeberin Ruth Ehret ein neues Fliegengitter in die Tür ihrer Terrasse und verbringen wieder längere Zeit im Büro bei Äthiopian Airlines, um nach unseren Koffern zu forschen. Zum Schluss wird ein Fax an die Mitarbeiter nach Lusaka geschickt, um unser Gepäck dort bei unserem Zwischenstopp ans Flugzeug bringen zu lassen. Wir erhalten eine Kopie.

Der Rest des Tages vergeht mit Vorbereitungen für unsere Abreise.

Di 30.9. Weil heute letzter Tag des Ramadan und somit Feiertag ist, hat Ruth frei und kann uns zum Airport bringen. Kurz vor dem Flughafen will uns eine Polizeikontrolle wieder Geld abnehmen, weil Hans den Sicherheitsgurt nicht angelegt hat. Ruth fährt mit Hinweis auf unseren Abflugtermin weiter, muss aber auf dem Rückweg noch 1.000 Kwatscha zahlen.

Mit uns wartet Valentin, ein deutscher Student, auf den Rückflug. So haben wir gute Unterhaltung. Bei der Zwischenlandung in Lusaka finden wir tatsächlich unser Gepäck, es wird durchgecheckt nach Frankfurt, wo wir am

Mi 1.10. um 5.50 Uhr landen. Mit dem überfüllten ICE fahren wir zurück nach Stuttgart.

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