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Reisebericht Malawi April 2007

von Hans Schäfer

1.4. Unser Mitglied Manuela Furrer und ich treffen uns um 1300h am Flughafen Stuttgart. Ich habe 12 kg Übergepäck. Manuela nimmt mein Schweißgerät in ihr Handgepäck. Jetzt klappt es. Wir fliegen mit KLM nach Amsterdam und haben dort 6 h Aufenthalt.

2.4. Nachts geht es mit Kenia Airways nach Nairobi. Nach 3 h Aufenthalt fliegen wir weiter über Lusaka in Zambia nach Lilongwe, wo unser Freund Willi Ehret auf uns wartet und uns zu sich nach Hause nimmt. Ich war 24 h unterwegs, Manuela 28 h.

3.4. Wir fahren mit unserem Auto, einem Toyota Corolla, nach Lirangwe (ca. 280 km) und treffen unseren Coordinator Ziccan und die Bauunternehmer Davis und Gondwa. Gemeinsam besprechen wir die Fertigstellung des ersten Klassenzimmers für die Mlambe-Schule. Am Nachmittag beginnen wir mit dem Materialeinkauf, vor allem des Blechdachs. Ich hatte den Bau letztes Jahr ohne Dach stehen lassen müssen, da der Kostenvoranschlag weit überschrit-ten worden war.
Wir übernachten im Zivi-Häuschen bei Pfarrer Dieter Opitz.

4.4. Wir kaufen weiteres Material ein, unter anderem 8 Sack Zement à 50 kg. Damit fahren wir gleich auf die Baustelle nach Lirangwe. Leider kippt unterwegs eine Farbdose um und die Farbe ergießt sich über den Teppichboden des Autos. Am Nachmittag fahren wir zurück zu Willi nach Lilongwe.

5.4. Wir holen unser Mitglied Dr. Anne Göcke am Flughafen ab. Sie kommt 2 Stunden zu früh, da der Umweg über Lusaka ausgefallen ist. Anne erholt sich erst mal von der Reise.

6.4. Heute ist Karfreitag und Feiertag. Die Läden haben trotzdem offen. Wir kaufen ein und bereiten unsere Kinderlisten, Computer, Kassenbuch etc. vor.

7.4. Unsere Koordinatorin Selina Sakanda kommt um halb neun. Wir fahren zu Sister Eugenia in Katchebere/Mchinji. Gemeinsam gehen wir die Kinderliste durch. Donata Listide, Lesmond Fideliko und James Sakala sind ausgeschieden. Jemey Kangwere ist wieder bei uns, da er wiederholen muss. Frank Rodrig ist schon 24 Jahre alt. Damit hat sie noch 9 Kinder. Von Selina kommen außer Klagen keine konkreten Vorschläge.

8.4. Ostersonntag. Wir sind bei Willi. Weruzani Kunkwezu ruft an (09117236) und fragt nach Geld von Fam. Ost. Ich gebe ihm 9000 MK über Bernhard Schwarz und Willi.

9.4. Ostermontag. Wir sind bei Willi. Abends essen wir gemeinsam mit Willi, Rolf Ossmann und Freundin Petra.

10.4. Wir starten früh um sechs zur Fahrt nach Blantyre (320 km), wo Ziccan einsteigt. Weiter geht es nach Muloza (125 km), wo die Kinder mit ihren Betreuern auf uns warten. Wir fotografieren sie. Die Dame im Rollstuhl, der Brigitte Kuhlmann vor Jahren eine Strickmaschine geschenkt hatte, ist auch wieder da. Diesmal hat sie Höschen und Jacken für Kleinkinder gestrickt. Anne kauft ihr alles ab, um es später zu verschenken.

11.4. Wir fahren nach Chiradzulu. Ziccan hat die etwa 30 Kinder in zwei Gruppen geteilt, die etwa 12 km, d. h. eine halbe Stunde mit dem Auto, wenn es trocken ist, von einander entfernt sind. Wir treffen die erste Gruppe, fotografieren die Kinder und besprechen mit den Betreuern, wie das Kindergeld am besten verwendet werden soll. Sie wünschen sich Ziegen.
Ich zeige Anne und Manuela unsere Krankenstation, die seit drei Jahren unvollendet dasteht.
Ziccan hat die zweite Kindergruppe auf 1400 h bestellt. So lang wollen wir aber nicht warten. Es ist sehr heiß. Wir suchen Alinafe Napulu und finden ihn bei einer alten Frau mit einer verkrüppelten Hand. Anne übernimmt ihn als Patenkind. Wir fahren weiter nach Lirangwe und kontrollieren unsere Baustelle.

12.4. Wir besuchen verschiedene Kinder in Blantyre, unter anderen den blinden Dalitso Gumbayera. Er ist von seiner Blindenschule an eine normale Secondary School versetzt worden. Er bittet um eine Braille-Schreibmaschine.
Wir besuchen Enelesi Phiri bei ihren Verwandten. Diese scheinen wohlhabend zu sein. Enelesi geht in die katholische Schule of our Lady of Wisdom. Leider sind die Schulgebühren dort etwa sechs mal so hoch wie unser Kindergeld. Wir sagen ihr 15000 MK/Jahr zu. Das restliche Geld müssen die Verwandten drauflegen.
Im Queen´s Hospital besuchen wir Chimwemwe Nkhangwa. Er scheint eine schwere Malaria zu haben.
Am Abend ziehen wir um vom Zivi-Häuschen in die Gäste-Wohnung neben Dieter und Ruth Opitz.

13.4. Wir starten um sieben und holen Ziccan zu Hause ab. In Lirangwe warten die Kindergarten-Kinder auf uns. Ziccan sagt, dass schon etwa 90 Kinder dort sind, die zukünftig in zwei Gruppen geteilt werden sollen. Der Bau eines neuen Gebäudes dafür ist geplant.
Der Gruppe der Müllerinnen empfehle ich, dass sie ein Gebäude direkt an der Hauptstraße erwirbt, um dort einen Verkaufsladen für die Backwaren und ein kleines Restaurant zu betreiben. Mr. Magaya sagt, dass der frühere Eigentümer vertrieben wurde wegen Mordes.
Das erste Klassenzimmer der Schule ist fertig. Leider kann ich mich mit den Herren Davis (Mauerwerk) und Gondwe ( Dachstuhl) nicht einigen über die Baukosten für das zweite Klassenzimmer. Obwohl beide einen Kostenvoranschlag unterschrieben hatten, wollen sie plötzlich 50 % mehr. Ich breche die Verhandlungen ab.
Abends holen mich mein ehemaliger Flugschüler Madalitso Kadzeya und seine Verlobte Effie Kapyepye ab zum Fischessen bei sich zu Hause. Madalitso erzählt, dass er schon gar nicht mehr weiß, welche Sicherheitseinrichtungen er an seinem Hause anbringen soll. Mehrfach hat man sein Haus ausgeräumt.
Ich frage Effie, ob sie die Buchhaltung für GEAMOC übernehmen kann, da Gaby zu wenig Zeit dafür hat. Effie stimmt zu.

14.4. Wir fahren über das Wochenende zu Janet Doran auf das Zoa Tea Estate. Die letzten 20 km sind nicht asphaltiert und teilweise in sehr schlechtem Zustand. Als am Nachmittag ein Wolkenbruch nach dem anderen runter geht, ist klar, dass wir übernachten müssen. Im Gästehaus werden wir bestens versorgt, und jede(r) kann sich ein großes Zimmer mit King Size Bett aussuchen.

15.4. Janet erzählt uns von den Problemen beim Führen von Unternehmen in Malawi. Der unzuverlässige Stromlieferant ESCOM verursacht große Schäden. Dazu kommt die allgemeine Schlamperei, Diebstahl, Unterschlagungen usw. Sie führt uns durch einige Felder mit Tee, Kaffee und Bananen. Danach zeigt sie uns die Teefabrik. Hier wird der Tee gelagert, getrocknet, fermentiert, gemahlen, gesiebt und verpackt.
Nach dem Mittagessen beeilen wir uns, die Asphaltstraße zu erreichen, bevor der Regen wieder einsetzt. Ohne Allradantrieb hätten wir auf den nassen Lehm“straßen“ große Mühe. Abends sitzen wir wieder bei Fam. Opitz, wo uns Dieter die neuesten Hexengeschichten erzählt. Hexerei soll jetzt in die Rechtsprechung des Landes aufgenommen werden, damit man juristisch gegen sie vorgehen kann. Die Schadensersatzprozesse wegen Enthexungskosten für verhexte Kinder nehmen zu.

16.4. Um neun treffen wir Ziccan und kaufen beim Inder 32 Decken à 600 MK für die Kinder in Chiradzulu II. Wir besuchen unseren Rechtsanwalt und erfahren, dass unser Prozess gegen den Verkehrsminister Henry Mussa wegen Unterschlagung noch andauert. Danach kaufen wir bei der Fa. Pamet Bücher und Hefte, die unser Mitglied Lilo Frenkel für eine GEAMOC-Veranstaltung verwenden will.
Um 14 Uhr sind wir bei Ulf Strohbehn, dem Verwalter des Lehrerseminars. Er bietet uns an, unsere Kinder nach dem Schulabschluss als Schreiner auszubilden. Die Ausbildung soll 2 Jahre dauern und 500 €/ Jahr und Kind kosten. Unsere Paten zahlen aber nur 100 € im Jahr.
Um halb fünf treffen wir uns im Hotel Ryalls mit Gaby Meyer und Ziccan. Später kommt Effie Kapyepye dazu. Ich stelle sie als unsere neue Buchhalterin vor.

17.4.Wir fahren nach Chiradzulu zu Gruppe II. Die Kinder werden fotografiert und erhalten eine Decke. Hier treffen wir auch Alinafe Mkandawere. Sie hat letztes Jahr die Schule abgeschlossen und will eine Ausbildung im Hotelgewerbe machen. Das kostet etwa zehn mal so viel wie unser Kindergeld.
Um 14 Uhr treffen wir uns mit Gaby Meyer im Ryalls und besprechen die Übergabe der Buchhaltung von Gaby an Effie. Ich danke Gaby für die bisher geleistete Arbeit.
Um 17 Uhr treffe ich mich mit Ulf Strohbehn und Wesley Mankhomwa (08839713), um die Möglichkeit eines Ersatzes von Ziccan durch Wesley zu besprechen.

18.4. Um neun treffen wir uns im Ryalls mit Gaby wegen der Übergabe an Effie. Um zwölf sind Gaby, Effie und ich in der Stanbic-Bank, um die Zeichnungsberechtigung wie folgt zu ändern:
Allein zeichnungsberechtigt: Hans und Effie.
Co-zeichnungsberechtigt: Andrea.
Alle anderen Unterschriften sind zu löschen.

19.4. Wir fahren nach Lilongwe. Eigentlich wollten wir mit Ziccan in das Dorf Matenje bei Salima. Da Ziccan aber weder mit dem Bus heimfahren noch bei Willi übernachten will und wir ihm das Hotel nicht bezahlen wollen, will er nicht mitkommen. Er schlägt vor, Matenje an Selina zu übergeben.
In Balaka werden wir an einer Straßensperre gestoppt, weil unsere Kfz-Versicherung gestern abgelaufen ist. Willi hat zwar die neue schon bezahlt, aber wir haben den Aufkleber noch nicht an der Windschutzscheibe. Wir müssen zurück in die Stadt Balaka, wo ich vor Gericht gestellt und zu zwei Jahren Haft verurteilt werde. Ich kann aber einen Rabatt auf nur acht Monate raushandeln. Das ist echt ein Schnäppchen. Der Richter wandelt das um in eine Geldstrafe von 5000 MK (26 Euro). Ich zahle, und wir fahren weiter. Das Ganze hat uns drei Stunden gekostet. Deshalb lassen wir Matenje aus und fahren direkt nach Lilongwe. Später fällt mir ein, was für ein Glückspilz ich doch bin. Zwischen Festnahme und Verurteilung vergingen nur drei Stunden, während der von uns verklagte Henry Mussa seit Jahren auf seinen Prozess warten muss. Der arme Kerl!

20.4. Wir fahren nach Nanjoka bei Salima und treffen Andrew Barr und Dorothea. Sie sind sehr aufgeregt, weil jeden Augenblick Madonna aus den USA eintreffen kann. Wir verdrücken uns schnell, bevor uns irgendwelche Bodyguards platt machen.
Wir fahren weiter nach Matenje und treffen den Schulleiter Mr. M.B. Msonthe (09394621) und einen senior teacher Mr. M.T.E. Chituzu. Sie zeigen uns die Schule. Sie haben 1200 Schüler und 7 Lehrer. Sie könnten mehr Lehrer von der Regierung bekommen, aber bei zwei Lehrerhäusern ist das Dach eingestürzt. Da die Häuser der Regierung gehören, werden sie von niemandem instand gehalten. Irgendwann bricht dann das Dach ein. Dann wird der Lehrer nass und geht. Die DDR lässt grüßen.
Hinter der Schule stehen die von uns gebauten sechs Toilettenhäuschen. Alle haben keine Türen mehr, da die Scharniere im Lauf der Jahre festgerostet waren und dann abbrachen. Der Schulleiter meint, da wir die Häuschen gebaut hätten, müssten wir auch das Ölen der Scharniere (ein Tropfen pro Jahr) übernehmen.
Wir fahren zu unserer Mühle, unserer einzigen mit Dieselmotor. Dieser ist seit November 06 kaputt. Die Antriebsräder zur Ölpumpe und das Zahnrad auf der Kurbelwelle sind zerstört. Die Müller sind ratlos. Rücklagen für eine Reparatur haben sie nicht gebildet. Jetzt haben sie kein Geld. Wir auch nicht. Ich empfehle den Müllern, sich Gedanken zu machen über eine Umwandlung der Mühle von Diesel- auf Elektroantrieb. Wir haben ja noch einen Elektro-Motor von der Mühle in Chiradzulu, die wir vor zwei Jahren wegen Henry Mussa abgebaut haben. Die Stromleitung geht schon wenige hundert Meter vor das Dorf und soll noch bis zur Kirche verlängert werden.

21.4. Wir machen Buchhaltung, Planung, wechseln Geld (1 € = 195 MK), und besprechen uns mit Selina. Sie deutet an, dass sie gern Direktorin von GEAMOC in Malawi geworden wäre, aber jetzt am liebsten die Zusammenarbeit mit GEAMOC beenden möchte.

22.4. Anne und Manuela fahren zurück nach Blantyre über Salima, wo sie das Wochenende am See verbringen. Willi und ich fahren in die Kirche, wo heute wieder Henry III predigt. Die Kirche ist voll bis zum letzten Platz. Danach treffe ich Andrew Barr, Joachim Kretschmar und Andrew Howes. Andrew bietet eine Zusammenarbeit mit GEAMOC an.
Nachmittags baue ich unsere Mischmaschine zur Herstellung von Kindernahrung (Likuni phala) zusammen.

23.4. Letztes Treffen mit Sr. Eugenia. Sie betreut noch 9 Kinder. Sie erhält von mir 7 mal 4000 MK und 2 mal 5400 MK. Ich gebe ihr 40000 MK. Wir vereinbaren, die Kommunikation künftig über Willi per email zu führen.
Willi fährt mich zum Flughafen. Ich lerne noch Andrea Abramowski kennen. Sie hat drei Monate in Ludzi bei Sister Gloria gearbeitet, wo wir eventuell mit der Schule zusammen-arbeiten wollen. Leider fliegt sie über Johannesburg. Ich fliege über Nairobi und Amsterdam wieder nach Stuttgart.

1.5. Manuela kommt in Stuttgart an. Sie war eine Woche länger in Malawi. Als sie ihr Gepäck vom Band nimmt, merkt sie, dass ihr Rucksack vermutlich in Nairobi beim Umladen aufge-schnitten und meine neue Video-Kamera, die ich ihr geliehen hatte, gestohlen wurde. Afrika verfolgt uns bis nach Hause.
Anne bleibt noch zwei weitere Monate und betreut verschiedene Projekte, vor allem den Bau des zweiten Klassenzimmers für die Mlambe-Schule in Lirangwe. Eines Tages wird sie im Auto von einem LKW gerammt, kommt aber mit Prellungen davon. Unser Toyota ist ziemlich beeindruckt. Anne arbeitet tapfer weiter mit einem Mietauto.

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