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Reisebericht
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Reisebericht 2005

von Hans Schäfer

23.7

Brigitte Kuhlmann, ihre Freundin Sabine Benz und ich treffen uns auf dem Frankfurter Flughafen. Brigitte und Sabine fliegen mit KLM über Amsterdam, Nairobi, Lilongwe. Ich fliege mit Ethiopian über Addis Ababa nach Lilongwe. Aber zunächst habe ich ein schwerwiegendes Problem: mein Gepäck wiegt 26 kg zu viel. Brigitte hat mir gerade noch einen PC von Christa Langner für Ziccan in die Hand gedrückt, der allein 16 kg hat. Da ich allein bin, geht auch der Trick mit dem Handgepäck nicht. Der Mann am Schalter bleibt hart. Er lässt mich nicht einchecken. Es gelingt mir, Brigitte im Terminal 2 zu erreichen. Sie schickt ihre Schwie-gertochter vorbei, der ich einen Koffer übergebe, der hier bleiben muss. Jetzt muss ich mich noch mal anstellen. Als ich endlich wieder am Schalter bin, ist er schon geschlossen. Instinktiv fluche ich so laut ich kann. Das hört eine Dame hinter den Kulissen. Sie hat Erbarmen, kommt zurück und fertigt mich ab. Ich renne los und schaffe es gerade noch als Letzter, bevor die Tür des Flugzeugs geschlossen wird. Das war knapp! Aber jetzt geht's los.

In Addis übernachte ich im Hotel Ethiopia. Mit fachmännischen Blick habe ich schon meine Mitreisenden in Kategorien eingeteilt : Helfer kirchlich, Helfer NGOs, Experten von GTZ und DED, Politiker, Freundinnen der Politiker. Ich freunde mich mit Schwester Klara aus Osnabrück an. Sie ist Franziskanerin und leitet die St. Francis-School in Madisi in Malawi.

24.7

Weiterflug und Ankunft in Lilongwe. Brigitte und Sabine sind schon da. Willi und Ruth Ehret empfangen mich. Schwester Klara wird von einem Chor ihrer Schulkinder begrüsst. Das ist eine Schau! Willi bringt uns in das Gästehaus der Capital City Baptist Church.

27.7

Beim Frühstück bei Willi treffen wir unsere Koordinatoren Ziccan Chirwa und Selina Sakanda. Am Vormittag zeigt uns Willi ein Kinderheim für verlassene Kinder. Eine Schwester erzählt uns, dass die Kinder überall gefunden werden: In Tragtüten im Supermarkt, an der Bushaltestelle, im Feld, im Müll. Nicht immer gelingt es, die Säuglinge zu retten.

Danach fahren wir zusammen nach Katchebere bei Mchinji an der Grenze zu Zambia zu den Schwestern Eugenia und Serafina. Die beiden betreiben im Auftrag ihres Ordens eine Farm. Sie betreuen 15 Waisen für GEAMOC. Wir verhandeln über den Ankauf von Mais für unsere Kinder. Unterwegs platzt uns ein Reifen. Ich stelle fest, dass er schon mal gerissen war und wieder von Hand genäht wurde. Die Naht wurde dann nach innen montiert, so dass sie von aussen nicht sichtbar war.

26.7

Nach dem Frühstück bei Willi sausen wir mit Ziccan los Richtung Salima und kommen auch gute 3 km weit, als wir bemerken, dass das Kühlwasser unten schneller rausläuft als wir oben nachfüllen können. Wir schaffen es gerade noch in eine Werkstatt. Dort wird der Kühler wieder abgedichtet.

Am Nachmittag unternehmen wir einen neuen Versuch. Diesmal schaffen wir 3,5 km, als plötzlich direkt vor uns ein anderes Auto wendet. Ziccan kann nicht schnell genug bremsen, und schon knallt es. Ziccan ist geschockt, denn erstens ist unsere Frontseite 20 cm eingedrückt und zweitens ist das Auto eine Leihgabe seines Freundes Tom. Willi, der zufällig vorbei kommt, nimmt Brigitte und Sabine mit. Ziccan und ich schleppen unser Auto mit Hilfe eines Polizeiautos zur Polizei, wo es nachts sicher steht.

27.7

Diesmal fahren wir mit Willi in seinem Auto nach Matenje bei Salima. Unsere Mühle ist in Betrieb, aber die Müller klagen über geringe Aufträge wegen der schlechten Ernte. Wir diskutieren, ob GEAMOC Mais auf Vorrat kaufen soll, wenn er billig ist. Ein geeigneter Lagerraum wäre vorhanden, muss aber noch gegen Einbruch gesichert werden. Willi bringt uns zurück nach Lilongwe. Er setzt Ziccan und mich bei der Polizei ab. Ein Polizist schleppt unser defektes Auto in die Polizeiwerkstatt. Dort stelle ich fest, dass Motor, Kühler und Lenkung noch ok sind. Mit einem Abschleppseil und dem Polizeiauto ziehen wir die eingedrückte Front unseres Autos wieder heraus. Ein Mechaniker springt auf die Motorhaube, um sie auszubeulen. Der Honda sieht jetzt afrikanisch aus, aber er läuft.

Um 14 Uhr fahren wir los und sind um 1810 Uhr in Blantyre. Das ist gut, denn um 18 Uhr wird es sehr schnell stockdunkel und wir haben seit dem Unfall kein Licht mehr. Wir wohnen als Gäste bei Ziccan.

28.7

Vormittags fahren wir nach Lirangwe. Die Maismühle läuft gut. Wir besichtigen ein neues Gebäude, das mit GEAMOC-Hilfe gebaut wurde. Das ist ein Saal, der wochentags als Schule und Kindergarten genutzt wird und sonntags als Kirche dient. Der Häuptling erwähnt, dass mehr Schulräume gebraucht werden. Wir sagen unsere Unterstützung zu. Außerdem bittet er um Schulmöbel.

Anschließend fahren wir nach Blantyre zur Stanbic-Bank, um meine Zeichnungsberechtigung eintragen zu lassen. Damit sind jetzt zeichnungsberechtigt: Brigitte Kuhlmann, Funny Tawakali (unsere Buchhalterin), Hans Schäfer und Uta Hartleben (unsere Supervisorin). Alle Zahlungsmittel müssen zwei Unterschriften haben.

Am Nachmittag fahren wir zur Schule nach Chimwembe. Dort haben wir schon mehrere Klassenzimmer mit Unterstützung der Kopernikus-Schule in Freigericht gebaut. Das letzte Mal gab es aber Ärger. Die Lehrer und Schüler waren zu faul, um mitzuhelfen durch die Anlieferung von Sand und Wasser aus dem nahen Fluss. Das hatten sie aber bei der Auftragsvergabe fest versprochen. Jetzt fehlt das Geld für die Schulmöbel.

29.7

Um 7 Uhr sprechen wir mit dem blinden Dalitso und seinem Vater. Wir überlegen, wie wir helfen können. Brigitte gibt ihm eine Reisetasche, einen Rucksack und einen Jacke. Wir versprechen, eine Computer-Tastatur für Blinde zu suchen.

Um 9 Uhr sind wir eingeladen bei der örtlichen Radiostation zum Interview. Olivia Massanza ist auch dabei, die Abgeordnete für den Bezirk Mulanje, wo wir am Sonntag eine Maismühle einweihen werden. Sie wird wegen ihrer Bestimmtheit intern "der General" genannt. Anschließend fahren wir nach Chiradzulu. Unsere Maismühle läuft, aber auch hier klagen die Müllerinnen über wenig Umsatz wegen der schlechten Ernte.

In unmittelbarer Nähe der Mühle steht das fast fertige Waisenhaus (2 Räume) und ein Gebäude, das als Klinik gedacht ist. (s. Lage in Chiradzulu).

Danach besichtigen wir das Haus, das wir für Enelesi, die Älteste einer achtköpfigen Kinderfamilie, gebaut haben. Das Haus ist fertig bis auf ein Fenster und ein Türschloss. Wir fahren zu Enelesi, die im Nachbardorf mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt. Sie macht einen zufriedenen Eindruck. Sie erklärt, dass sie bei ihrem Mann bleiben wolle und nicht in ihr Haus ziehen wird. Der Mann hat einen Gemüsehandel. Wir kaufen ihm 4 Körbe Tomaten und einen Korb Zwiebeln ab. Wir beschließen, dass die Nachbarin, eine ältere Dame, die sich um die Geschwister gekümmert hat, zusammen mit ihnen in dem neuen Haus wohnen darf, allerdings ohne die Ziegen und Hühner wie bisher.

Wir fahren zurück nach Blantyre, wo wir uns um 17 Uhr mit Uta und Funny treffen, um die Abwicklung der Buchhaltung und die daraus folgende Kommunikation mit Deutschland zu besprechen. Da Ziccan von Christa Langner einen neuen PC erhalten hat, kann er seinen bisherigen an Funny abgeben, die damit ebenfalls emailfähig wird. Sie wird in Zukunft monatlich die Buchhaltung an Christine Dziengel mailen. Dafür erhält sie eine Kostenpauschale von 500MK=3,20€/Monat.

30.7

Wir fahren nach Lirangwe, um Caroline Puhlmann von der Deutschen Botschaft und Frank Siegmund vom Deutschen Entwicklungsdienst zu treffen. Sie haben aber keine Zeit. Wir fahren nach Muloza bei Mulanje und treffen Olivia Massanza. Wir sprechen über die Einweihung der Maismühle, die am nächsten Morgen stattfinden soll. Danach fahren wir zurück nach Blantyre und besprechen mit Ziccan seine Aufgaben und Bezahlung.

31.7

Wir fahren nach Muloza zur Einweihung unserer Mühle. Hier ist großer Bahnhof. Die Halle neben der Mühle ist brechend voll. Olivia erscheint im Rollstuhl. Sie hat sich übernacht schnell noch das Bein gebrochen. Außerdem sind Caroline und Frank gekommen. Ich erkläre in meiner Rede, die auch im Fernsehen gesendet wird, dass wir unsere Projekte nicht als Geschenke oder Almosen betrachten, denn das würde die Menschen nur zu Bettlern machen. Sie haben vielmehr eine Art Starterfunktion, um einen langfristigen Prozess zum Nutzen vieler in Gang zu setzen. Wenn aber die Menschen nicht mitmachen, so ist es wie mit einem Auto, das nicht anspringt. Es ist nur Schrott. Ich erwähne auch die nicht anwesenden Mitglieder von GEAMOC in Deutschland, die mit ihrem privaten Geld einen Beitrag leisten, damit es den Menschen in Malawi besser geht. Caroline erklärt in ihrer Rede, dass sie gern einen Zuschuss der Deutschen Botschaft zu dieser Mühle gewährt habe, da sie wisse, dass die Gelder bei GEAMOC immer sehr sorgfältig und nachhaltig verwendet würden und außerdem Ziccan bei der Antragstellung sehr schnell und korrekt gearbeitet habe. Ziccan fungiert als Simultan-Dolmetscher von Englisch nach Chichewa.

Nach den Ansprachen legt eine Musikkapelle los auf selbstgebauten Instrumenten. Danach stampft eine Gruppe von Tänzern im Bastrock und mit schrecklichen Holzmasken in Kreis vor der Mühle. Dazu stoßen sie wilde Schreie aus. Den bösen Geistern, die die Mühle durch Kurzschluss und Keilriemenriss beschädigen wollten, wird es ungemütlich. Sie verschwinden und versprechen, sich nicht wieder blicken zu lassen. Wir fahren zurück nach Blantyre und treffen Caroline und Frank in der italienischen Eisdiele. Wir gönnen uns einen Cafe Latte und ein Eis. Schließlich ist ja Sonntag. Wir besprechen die nächsten Termine mit den beiden und sind am Abend wieder zu Hause bei Ziccan. Der hat inzwischen einen Riesenärger mit seinem Freund Tom, der ihm das Auto geliehen hatte. Es gelingt Brigitte, Tom klar zu machen, dass er kein echter Kumpel ist, wenn er sich gleich aufregt, nur weil wir sein Auto zertrümmert haben. Damit Tom das schneller einsieht, gebe ich ihm 20000 Kwatcha (ca. 130 €) als Miete. Wir dürfen das Auto weiter fahren.

1.8

Wir fahren über Zomba nach Mangochi am Lake Malawi. Hier ist eine Werft, wo gerade die "Ilala", ein etwa 80 Jahre altes Passagierschiff, überholt wird. Sonst ist nichts los. Wir fahren weiter über 65 km Schotterpiste nach Salima und erreichen gerade noch rechtzeitig vor der Nacht Lilongwe. Wir übernachten wieder im Gästehaus der CCBC für 25 Dollar pro Nacht .

2.8

Wir sind zur Audienz beim Deutschen Botschafter Herrn Gisy geladen. Caroline Puhlmann und Ron Nkomba, der Vorsitzende von GEAMOC Malawi, sind auch dabei. Der Botschafter betont die bisherige gute Zusammenarbeit mit GEAMOC. Er will nur noch einkommenserzeugende Projekte unterstützen, die nachhaltig sind. Als Beispiel nennt er unsere Maismühlen. Er berichtet aber auch von völlig unsinnigen Projekten, die von Hilfsorganisationen aufgebaut wurden.

Anschließend fahren wir zum Deutschen Entwicklungsdienst und besprechen mit Frank das weitere Vorgehen, um eine Bezuschussung unserer Projekte zu erreichen. Nachmittags treffen wir uns mit Sister Eugenia bei Selina. Sie sagt, sie würde 15 Kinder für GEAMOC betreuen. Wir geben ihr 7750MK = 50 € von Christa Langner. Für den blinden Rodrig Frank erhält sie 7000 MK für Kleidung und Schule, ebenfalls privat von Christa. Danke!

Ziccan erhält von uns einen Rest von 37000 MK aus 2004 und 3875 MK von Frau Langner. Selina erhält von uns ihr Jahresgehalt von 360€ und 4500 MK für Milika Pindani von A. Ost.

3.8

Wir treffen uns mit Sr. Eugenia und Selina. Beide finden es wünschenswert, die Kinder über die Secondary School hinaus zu fördern, z.B. mit einer Berufsausbildung. Ich frage, ob und wie man Schreiner und Zimmerleute ausbilden könne. Ich biete auch Computer an für Textverarbeitung. Das Problem sind die fehlenden Lehrer.

4.8

Brigitte und Sabine fliegen im hohen Bogen raus über Nairobi und Amsterdam nach Stuttgart. Sie haben Malawi lange genug unsicher gemacht.. Willi, Ziccan und ich haben eine neues Treffen bei Ron, um das weitere Vorgehen gegen den Minister Henry Mussa zu besprechen, der unsere Mühle in Chiradzulu durch das Umleiten von aus der Mühle erwirtschafteten Geldern ausplündert. Alle sind sich einig, dass das Verhalten von Henry untragbar ist. Für uns ist es unglaublich, mit welcher Dreistigkeit ein Minister das Geld für Waisenkinder in seine Tasche leitet. Wir beschließen, dass ich die anderen Mitglieder des Vorstands in Deutschland informieren werde und wir dann nach einem entsprechenden Beschluss gegen Mussa vorgehen werden.

5.8

Ziccan und ich fahren früh los nach Norden und sind nach einer Stunde in Madisi bei Sister Klara in der St. Francis School. Sie hat uns schon erwartet und extra wegen uns die etwa 500 Schulkinder, die heute in die Ferien gehen, zurück gehalten, damit sie uns noch mit mehreren Liedern begrüßen. Wir bedanken uns und wünschen ihnen schöne Ferien. Damit sind sie entlassen. Sr. Klara und Sr. Veronika zeigen uns die Schule. Alles ist sehr sauber und ordentlich. Sr. Klara ist die Leiterin. Sie wird unterstützt von vier weiteren Schwestern, teils Deutsche, teils Filipinas. Die Schwestern zeigen uns ihren großen Garten, wo sie Obst und Gemüse für die Schulküche anpflanzen. Sie planen eine künstliche Bewässerung aus dem nahen Fluss. Sr. Veronika benötigt für das Krankenhaus dringend Injektionsspritzen und vor allem Nadeln, weil durch die Mehrfachverwendung der Nadeln das Risiko einer HIV- Übertragung steigt. Auch Latex-Handschuhe fehlen. Das sind alles Pfennig-Artikel, aber die Regierung hat kein Geld. Sie hat ja gerade drei neue Maybach bestellt. Da muss sie natürlich anderswo sparen.

Ziccan und ich fahren weiter Richtung Mzuzu. Unterwegs biegen wir von der Hauptstasse ab in ein Dorf und besuchen die Oma seiner Frau und etliche Tanten. Die Oma freut sich sehr über den unverhofften Besuch und schenkt uns ein lebendes Huhn. Es darf im Kofferraum mitfahren. Am späten Nachmittag erreichen wir Mzuzu. Unser Freund Bernhard Schwarz aus Stuttgart, der hier eine Kaffe-Plantage betreibt, ist noch nicht da. Deshalb fahren wir schnell zu Catherine Chinula, einer Neuseeländerin, die vor sieben Jahren unsere Koordinatorin für der Bereich Malawi Nord war. Später verließ sie GEAMOC, worauf wir den ganzen Norden aufgaben, da wir keine geeignete Nachfolgerin finden konnten. Sie freut sich sehr über den Besuch. Wir haben uns fünf Jahre nicht mehr gesehen und haben viel zu erzählen. Leider ist ihr Mann Lewis nicht da. Sie lädt uns ein zum Frühstück am folgenden Montag. Wir fahren zurück zu Bernhard, der inzwischen abgepackte Milch auf dem Markt in Mzuzu verkauft. Er nimmt uns mit zu seinem Haus, wo ich die nächsten 3 Nächte wohnen werde. Bald kommt auch seine schwarze Frau Rachel heim, und das mitgereiste Huhn zieht um in den Kochtopf. Ziccan besucht inzwischen seine Verwandten, die in der Nähe wohnen.

6.8

Ich besichtige das Mzuzu Technical College, eine Berufschule, die von Deutschland unterstützt wird. Es gibt Holz- und Metallverarbeitung, aber auch Ausbildung am Computer in Word und Excel für Büroberufe. Manche teure Maschinen wie eine Drehbank, ein Kfz-Diagnose-Center und ein Einspritzpumpen-Prüfstand werden nicht benutzt, weil sich niemand damit auskennt. Schade!

Wir besuchen verschiedene indische Händler, um Preise einzuholen für Maismühlen, Diesel-motoren etc. Anschließend fahren Bernhard und ich in den Wald zu einer Milch-Sammel-stelle. Die Bauern liefern dort die Milch ihrer Kühe ab. Bernhard kauft sie und füllt sie ab in mitgebrachte Plastic-Fässer. Wir fahren weiter zu Bernhards Kaffeeplantage. Er baut den Kaffee ökologisch ohne Dünger und Pestizide an. Dadurch hat er Abnehmer bis nach Südafrika. Der Transport nach Deutschland ist aber zu teuer. Während wir die Plantage besichtigen, füllen zwei Mitarbeiterinnen die mitgebrachte Milch in Plastikbeutel und verschweißen sie. Am Abend fahren wir zurück nach Mzuzu. Wir üblich wird dabei das Auto aufgefüllt mit Menschen, die in die Stadt wollen. Der Toyota schleppt jetzt 12 Insassen und 300 Liter Milch.

7.8

Bernhard und ich machen einen Ausflug nach Norden in das Dorf Phwezi. Hier hat das Land Baden-Württemberg ein Technical College zur Berufsausbildung gebaut. Es werden Holz- und Metallverarbeitung sowie Haushalt- und Büroberufe unterrichtet. Es ist Sonntag, aber die Schreiner arbeiten trotzdem, weil gerade wieder jemand einen Sarg braucht und nicht warten will. Die Schule wurde zwar mit deutschen Geld gebaut, muss sich aber jetzt selbst finanzie-ren durch Studiengebühren, aber auch Produktion von Möbeln, Stahlkonstruktionen, sowie Dienstleistungen wie Kfz - Reparaturen, Maurer-, Schreiner- und Zimmerarbeiten. Wir erwägen, ob wir einige unserer Kinder nach der Secondary School hier hin schicken sollen. Wie immer ist es eine Frage der Finanzierung.

Wir fahren weiter zu einer Bambus-Brücke, um deren Erhalt sich natürlich ein deutscher Hilfsverein kümmert. Die Straße führt weiter durch das Gebirge. Hier wird Steinkohle abgebaut, die in der Tabak- und Tee-Industrie verwendet wird. Kurz danach führt die Straße in Serpentinen steil hinunter zur Küste. Paviane versuchen, die Autofahrer aufzuhalten, um zu betteln.

Die Küstenstraße ist erst kürzlich von der EU neu gemacht worden. Wir fahren nach Norden am See entlang bis Chilumba. Hier wurde vor langen Jahren ein kleiner Hafen gebaut mit einem Verladekran für Container. Die Wachleute versichern, dass sie hier noch nie einen Container gesehen haben. Ein Projekt der Deutschen Entwicklungshilfe. Es erinnert stark an Dornröschen. Man wartet auf den Prinz, der alles aufweckt.

Wir fahren zurück nach Phwezi, wo uns der inzwischen herbeigeeilte Schulleiter ein Angebot für Schulmöbel macht. Es ist aber zu teuer. Abends sind wir wieder in Mzuzu.

8.8

Ziccan und ich starten um sieben und fahren erst mal zu Catherine und Lewis Chinula zum Frühstück. Sie sagt uns, dass sie noch zwei Nähmaschinen aus einer Nähstube hat, die wir vor sieben Jahren hier gegründet hatten. Inzwischen sind aber fast alle unsere Nähstuben vor allem durch die Konkurrenz der Kleider-Sammlungen aus Europa eingegangen. Man kann auch durch Helfen etwas kaputt machen. Wir vereinbaren, dass Bernhard bei seiner nächsten Fahrt nach Blantyre die beiden Maschinen mitnehmen und an Ziccan übergehen soll. Wir fahren weiter und kaufen im Wald kurz vor Nkhata Bay noch vier Bälle aus Naturkautschuk aus den dort wachsenden Gummibäumen. Wir folgen der Küste entlang nach Süden. Der See lädt zum Baden ein, aber wir haben keine Zeit.

Kurz vor Mittag erreichen wir das St. Anne´s Hospital in Nkhotakota. Hier hatten wir früher mehrere Nähstuben, die wir aber inzwischen aufgegeben haben, um uns mehr im Süden zu konzentrieren. Der Verwalter begrüsst uns freundlich und zeigt uns die Schultafeln, die ich vor anderthalb Jahren in einem Container von Harald Braun mitgeschickt hatte. Sie sind immer noch hier, weil Ziccan noch keine preiswerte Transportmöglichkeit für die 350 km nach Blantyre gefunden hat. Wir besichtigen die Maismühle, wo in grösseren Mengen Likuni Phala hergestellt wird. Das ist eine Mischung aus Mais- und Sojamehl, die zusätzlich mit Mineralien und Vitaminen angereichert wird. Sie wird seit Jahren vom World Food Program vor allem für Kinder verteilt. Wir kaufen 25 kg und erwägen, ob wir Likuni Phala auch an unseren Mühlen herstellen sollen. Wir brauchen dazu aber noch einen Röstofen für die Sojabohnen.

Wir folgen der Küste und besuchen unsere Mühle in Matenje bei Salima. Wir sprechen mit den Müllerinnen noch mal über den Kauf und die Lagerung von Mais. Die Preise sind innerhalb von zwei Wochen um 50% gestiegen.

Wir fahren weiter nach Chipoka am Malawi-See. Auch hier zeigt mir Ziccan einen von den Deutschen gebauten Container-Verladekran, der noch nie einen Container gesehen hat. Es gibt sogar einen Bahnanschluss. Der dazu passende Container-Frachter liegt seit Jahren vor Mangochi vor Anker und rostet vor sich hin. Entwicklungshilfe! Langsam wird es spät und wir haben noch 250 km vor uns. Ziccan lässt es laufen, bis zwei Hühner im Kühlergrill hängen. Ziccan bremst kurz, um die Hühner abzuwerfen, und gibt sofort wieder Gas, bevor die Eigentümer auftauchen.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unsere Mühle in Lirangwe. Die Müllerinnen wollen ein frohes Lied zu unserem Empfang anstimmen, aber wir haben keine Zeit. Wir überreichen einen großen Kochtopf mit ca. 30 Liter Inhalt und den Sack mit Likuni Phala, damit sie den Kindern täglich eine warme Mahlzeit kochen können. Wir erwähnen die Herstellung von Likuni Phala. Die Girls sind interessiert. Nach wenigen Minuten sind wir schon wieder auf der Strasse und erreichen im letzten Büchsenlicht Ziccans Haus in Blantyre. Das war ein langer Tag! Unser Honda hat 700 km tapfer durchgehalten.

9.8

Morgens erwartet uns schon Martha Nkhangwa. Sie ist 14 und im 6. Monat schwanger. Ziccan erzählt, dass Martha von ihren Tante, bei der sie wohnt, an irgend welche Männer in der Nachbarschaft vermietet wurde. Wir fahren mit Martha zu Onkel und Tante und vereinbaren, dass Martha ihr Kind nach der Geburt an den Kindsvater abgibt und wieder zur Schule geht. Wir besichtigen das fast fertige Haus von Marthas verstorbenen Eltern. Ich habe gleich den Schreiner und einen Maurer mitgenommen, die einen Kostenvoranschlag erstellen. Es müssen noch Türen und Fenster und die Regenrinne angebracht werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 72183 Kwatcha und 80 Tambala (ca. 465€). Die Idee ist, dass wir das Haus fertig stellen lassen, so dass Martha und ihre beiden Brüder eine Mieteinnahme hätten, von der sie leben könnten. Es ist klar, dass Martha bei der Tante nicht länger bleiben kann. Wir versichern ihr, dass wir sie weiter unterstützen werden, auch bei den Vorsorgeuntersuchungen und bei der Geburt, voraussichtlich ein Kaiserschnitt. Ziccan will außerdem das Social Welfare Office einschalten.

Wir fahren weiter zu Tiyanjane Nyamathanga und ihren beiden Brüdern. Ziccan meint, dass sie schon besser ausgesehen hätte. Wir nehmen sie gleich mit ins nächste Krankenhaus. Der HIV-Test ist positiv. Außerdem hat sie Tuberkulose. Das sieht nicht gut aus. Wir vereinbaren mit dem Arzt, dass sie wöchentlich zur ARV-Behandlung kommt, damit sich ihr Immun-system wieder berappelt. Die Kosten dafür sind etwa 850 € pro Jahr. Tiyanjane ist elf Jahre alt und wurde wahrscheinlich schon bei der Geburt von ihrer Mutter angesteckt . Ohne Spender in Deutschland hat sie keine Chance. Mir geht durch den Kopf, dass ich hier oft in wenigen Minuten über das Schicksal eines Kindes entscheide, indem ich Mittel gewähre oder verweigere. Dabei hoffe ich immer, dass die Mitglieder, Paten und Spender in Deutschland hinter mir stehen. Mir fällt auch ein, dass unser Jahres-Mitgliedsbeitrag von 40 € im Jahr etwa einem Promille unseres Einkommens entspricht. Donnerwetter!

10.8

Wir fahren noch mal nach Chimwembe. Die Schulleiterin, die Lehrer und das Dorfkommittee sind vollzählig angetreten. Wir sind nicht zufrieden mit der Abwicklung des letzten Baus. Die Mitarbeit der Gemeinde war mangelhaft. Ich erzähle, dass das Geld für die Schule von den Kindern der Kopernikus-Schule und der Johannes-Gemeinde Somborn gesammelt wurde, die sich sehr angestrengt haben, um ihren Freunden in Chimwembe zu helfen. Die Anwesenden schauen beschämt zu Boden. Sie versprechen Besserung. Das genügt mir nicht. Wir setzen einen Vertrag auf, in dem sich die Gemeinde verpflichtet, Ziegel, Sand und Wasser zu stellen. Wir übernehmen den Lohn der Handwerker, Zement, das Dach und die Tür. Der Vertrag wird unterzeichnet und gilt vorbehaltlich unserer Annahme des Kostenvoranschlags. Auf der Rückfahrt holen wir gleich bei MacSteel in Limbe die Preise für Wellblech fürs Dach ein.

Am Nachmittag treffe ich meinen ehemaligen Flugschüler Madalitzo Kadzeya, der inzwischen eine ATR 42 für Air Malawi fliegt. Er hatte vor fünf Jahren seine Flugausbildung bei mir in Stuttgart begonnen. Wir feiern das Wiedersehen mit ein paar Carlsberg.

11.8

Wir sausen nach Mulanje zu Christa Roth und ihrem Mann Christoph Messinger. Beide sind gestern aus Deutschland zurückgekehrt. Sie sind Experten und arbeiten an der Versorgung von Lebensmitteln, Schonung von Ressourcen durch Brennholz-Einsparung, und nebenbei fördern sie auch noch die Demokratisierung in den Dörfern. Das machen sie in Malawi, Tansania und Zambia, also einer Fläche von Mitteleuropa. Ich bin beeindruckt!

Christa erzählt, dass die Menschen nicht etwa verhungern würden, weil es nichts zu essen gibt, sondern weil sie das, was sie haben, nicht essen. Die Malawis leben vom Maisbrei (Nsima). Kein Mais, kein Maisbrei, kein Essen, Kinder verhungern. Da kann man nicht machen. Viele Sachen, die wir gerne essen, z. B. Kartoffeln, sind in Malawi höchstens Schweinefutter. Christa versucht, den Menschen zu zeigen, dass es auch anders geht. Sie kocht Maisbrei aus je einem Drittel Maismehl, Kartoffelmehl und Kassawa. Sie demonstriert im mutigen Selbstversuch, dass man das auch essen kann. Die Malawis staunen!

Christoph und Christa erwähnen, dass sie versuchen, einen neuen Herd aus Kanada, der sehr wenig Feuerholz verbraucht, in Malawi einzuführen. Das interessiert mich. Wir fahren gleich um die Ecke zu Ken Steel Engineering. Das ist eine Schlosserei, die die Herde und dazu passenden Töpfe in Handarbeit herstellt. Die Feuerholz-Ersparnis gegenüber dem üblichen Dreisteinfeuer soll etwa 70% betragen. Christa ist so begeistert, dass mir nichts anderes übrig bleibt als einen Herd mit 35-Liter-Topf zu kaufen für den Kindergarten in Lirangwe, wo jetzt fast 100 Waisenkinder sind. Herd samt Topf dürfen auf den Rücksitz mitfahren nach Blantyre.

12.8

Wir starten im Morgengrauen nach Lirangwe. Die Mühle ist schon in Betrieb. Wir übergeben unseren "Rocket Stove". Die Frauen sind verwundert. So was tolles haben sie noch nicht gesehen. Ziccan erklärt ihnen, dass er am Montag mit einem Angestellten des Herstellers zurück kommen wird, der sie so lang schulen wird, bis sie Herd und Topf einwandfrei beherrschen. Das beruhigt sie.

Wir sausen gleich weiter, denn 300 km nach Lilongwe liegen noch vor uns. Auf halber Strecke liegt die Stadt Dedza. In der Zeitung hatte ich gelesen, dass man hier zehnjährige Mädchen für sechs Euros das Stück kaufen kann. Hier soll es einen regelrechten Kinder-Sklaven- handel geben. Die Kinder verschwinden über die völlig offene Grenze nach Mozambique, die direkt hinter der Stadt verläuft. Wahrscheinlich werden sie schnell mit AIDS infiziert und sterben einen einsamen elenden Tod.

Um 1330h sind wir bei Ron Nkomba zu einer Vorbesprechung wegen der Vorgänge in Chiradzulu. Um 14h00 sind Ron und ich bei Henry Mussa in seinem Büro im Verkehrsministe-rium. Der fängt sofort an, auf Ziccan zu schimpfen, aber Ron stoppt ihn und sagt, dass wir nicht gekommen sind, um über Ziccan zu reden. Mussa klagt, dass Ziccan ihm nicht sagt, wie viel Geld er von GEAMOC für welche Zwecke bekommt. Außerdem hat er von Ziccan eine Liste der Waren angefordert, die im REWE-Container waren, den wir letztes Jahr runter geschickt hatten. Er will genau wissen, was wir machen. Er weigert sich mit Ziccan weiter zusammen zu arbeiten. Er bestreitet nicht, dass er Gelder aus der Mühle auf sein Konto geleitet hat. Zum Schluss lässt er die Katze aus dem Sack: er will uns die Mühle abkaufen, vermutlich zum Schrottpreis. Er behauptet, sie mache sowieso nur Defizit. Wir merken, dass er lügt.

Ich erwidere, dass ich verwundert bin, dass die Mühle Verlust machen soll, während alle anderen Mühlen von uns Gewinn abwerfen. Sollte seine Aussage stimmen, so wäre die Mühle eine Fehlinvestition. Ich erkläre, dass wir sie abbauen und an einem günstigeren Standort wieder aufbauen werden. Da merkt Mussa, dass er ein Eigentor geschlossen hat. Er behauptet, dass die Mühle ohne seine rastlose Mitarbeit sofort zusammenbrechen würde. Er sei der Vorsitzende der Mühlenbetreiber. Auf Rons Einwand, dass doch seine Frau Agrina die Vorsitzende sei, erwidert er verächtlich, sie ja nur ein "paperhead". Ich entgegne, dass ein ganz wichtiger Zweck unserer Mühlen sei, selbständige Frauengruppen zu etablieren, die in eigenständiger Selbstverwaltung die Mühle betreiben und dabei auch Finanz- und Waren-Manage-ment lernen. Wir wollen keinen Boss, der alles allein entscheidet. Mussa wiederholt, dass er uns die Mühle abkaufen will. Ich erkläre, dass ein Verkauf nicht in Frage kommt, weil das der Absicht der Spender völlig zuwider laufe. Ich werde dem Vorstand von GEAMOC Deutschland berichten. Bis zur Klärung der Probleme blockiere ich alle Investitionen nach Chiradzulu. Das gilt auch für den weiteren Ausbau des Krankenhauses. Ron fügt hinzu, dass wir nicht daran denken, Ziccan auszutauschen. Wir verabschieden uns.

Um fünf Uhr besuche ich unseren indischen Freund Kader Gelu, einen Händler aus Lilongwe, in seinem neuen Laden "Ishq" Er verkauft sehr geschmackvolle Kleider, Möbel und Schmuck im indisch-afrikanischen Stil. Anschließend treffe ich mich mit Frank Siegmund in den "Four Seasons", um mit ihm über den Bau einer Bäckerei in Lirangwe zu sprechen. Frank befürwortet das Projekt. Spät in der Nacht kehre ich ins Gästehaus der Baptist Church zurück. Das war wieder ein langer Tag.

13.8

Ziccan kommt vorbei und verabschiedet sich. Er fährt heute zurück zu seiner Familie nach Blantyre. Er hat in den letzten drei Wochen viel geleistet, viel ertragen und viel gelernt, z..B. wie man ein Frühstück macht mit Zwiebeln, Tomaten, Speck und Eiern in der Pfanne, oder meinen berühmten "Onepot" (Eintopf) mit viel Gemüse, gut gewürzt mit Chili.

Ich genieße die Ruhe. Endlich ein Tag ohne Programm, autofahren, entscheiden müssen. Eine Nachbarin schaut herein und fragt, ob sie meine Hemden bügeln darf. Na klar! Am Nachmittag kommt Willi vorbei, und wir besprechen noch mal die Ereignisse der letzten Tage. Am Abend besucht mich Frank. Es muss sich in Lilongwe rumgesprochen haben, dass ich noch ein paar Dosen Windhoek Bier im Kühlschrank habe. Wir sprechen über zukünftige Projekte. Das war mein letzter Tag in Malawi.

14.8

Ich packe meine Koffer und bin startbereit. Da sehe ich, wie immer mehr Autos auf den Parkplatz der gegenüber liegenden Kirche fahren. Ich gehe hinüber und treffe Willi und Bernhard. Die Kirche, ein ziemlich großer Saal, ist brechend voll, denn heute predigt Pfarrer Henry der Dritte, ein Schwarzer aus Mississippi. Henry versteht es, die Gemeinde mitzureißen durch einen ständigen Wechsel von Gespräch, Gebet und Gesang. Der Pfarrer arbeitet wie ein guter Dirigent. Die Gemeinde ist sein Chor. Durch die natürliche Musikalität der Schwarzen geht die Stimmung voll ab. Die Weißen werden angesteckt und mitgezogen. Betrübt denke ich an die oft sehr nüchternen und langweiligen Gottesdienste in deutschen Kirchen. Da sind uns die Schwarzen weit voraus!

Wir packen meine Sachen in Willis Auto und fahren zu ihm. Für meine letzten Kwatcha kaufe ich von Bernhard Kaffe für unser nächstes Vereinstreffen. Willi leiht mir noch einen Koffer dafür. Dann fährt er mich auf den Flugplatz. Um 15 Uhr starte ich nach Addis Ababa.

15.8

Um 7 Uhr lande ich in Frankfurt. Der Himmel ist grau. Es regnet in Strömen. Es ist affenkalt und es wimmelt von Deutschen. Wo bleibt der Chor der Schulkinder, die mich mit einem Lied empfangen? Die Deutschen eilen geschäftig hin und her und gucken grimmig. Irgendwas stimmt hier nicht! Welch ein Schock! Was tue ich hier?

Nachwort

War diese Reise nun gut, schlecht, begeisternd, frustrierend oder was? Sie war von allem etwas, oft mühsam und anstrengend, viel Arbeit, aber niemals langweilig. Man braucht schon eine gehörige Kondition, Stehvermögen, viel Geduld mit unseren afrikanischen Partnern und ab und zu auch Nerven wie breite Nudeln. Eins war die Reise aber auf jeden Fall: Notwendig! Es ist einfach eine Illusion, zu glauben, man könne alles von hier aus per email steuern. Noch naiver ist die Vorstellung, in Malawi würde schon alles von allein gut gehen.

Wir konnten alle unsere Projekte besuchen, um mit den Betreibern den Ablauf weiter zu ver-bessern. Die zahllosen Diskussionen mit Experten haben uns geholfen, unsere Arbeit zu optimieren und neue Projekte anzugehen. Momentan sind das die Schule in Chimwembe sowie die Bäckerei und ein Schulhaus in Lirangwe.

Leider konnten wir nur wenige Kinder sehen, da die Schulen wegen der Winterferien geschlossen waren. Das werden wir beim nächsten Mal besser machen.

Ziccan hat hervorragend gearbeitet. Er hatte es nicht leicht mit drei "Mzungus" (Weissen), davon auch noch zwei Frauen, die ihm von morgens bis abends im Genick sassen. Er und seine Frau beherbergten uns mit grosser Geduld in ihrem Haus in Blantyre. Wir haben sicher das Familienleben ganz schön beeinträchtigt. Eins ist klar: ohne Ziccan hätten wir nicht viel erreicht. Wir bewegen uns in Malawi in einem fremden Land mit Menschen, die eine völlig andere Kultur, Denkweise und Verhalten haben. Ohne die Hilfe eines Einheimischen bleibt uns vieles verschlossen.

Ohne unsere Unterstützung kann aber auch Ziccan nicht viel erreichen. Wir sind ein Team, das möglichst gut zusammenarbeiten muss. Hoffen wir, dass es so bleibt!

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